Rituale – magische Helfer!

Wie Rituale im Schul-Alltag helfen!

Kurz vor dem ersten Advent hole ich die „Weihnachtskiste“ aus dem Keller. Darin ist sämtlicher Schmuck für den Christbaum, die Lichterketten, die Kerzenhalter für den Adventskranz und sämtliche Weihnachtsschmuckbasteleien meiner Kinder! An jedem Stück hängen Erinnerungen – schöne, lustige und manchmal auch wehmütige. Ich bin gewiss keine Mama, die alles aufhebt und vor allem hab ich es nicht mit dem Dekorieren. Trotzdem basteln wir jedes Jahr selbst einen Kranz und stellen die weihnachtlichen Kerzenhalter auf. Meine Tochter und ich lieben es, Kerzen anzuzünden und im Schummerlicht auf dem Sofa Tee zu trinken. Dann muss die Kiste bis kurz vor dem heiligen Abend wieder in den Keller.

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Die Vorweihnachtszeit und die Feiertage sind eine hervorragende Möglichkeit, die Auswirkung von Ritualen genauer zu betrachten.

Am ersten Adventssonntag wird die erste Kerze am Adventskranz angezündet, am ersten Dezember, das erste Türchen/das erste Päckchen vom Adventskalender aufgemacht, am Nikolaustag sind die Schuhe geputzt und werden lecker gefüllt … Letzten Sonntag fuhr ich die U15-Mädels zum Basketball-Spiel. Auf der Rückfahrt – nachdem das Spiel ausführlich analysiert war – wurde sich intensiv über die Gebräuche in den Familien an Weihnachten unterhalten. Die Mädels waren sich einig, auch wenn manches langweilig, oder kindisch, oder nicht wirklich ökologisch ist (ein Baum im Wohnzimmer), an Weihnachten muss es einfach sein, sonst fühlt es sich nicht richtig an!

Rituale versetzen uns in bestimmte Zustände.

Wie können wir diese Erkenntnis in unserem Alltag und insbesondere beim Lernen nutzen? Ein relativ häufiges Thema im Coaching ist „Aufschieberitis“ – der Hausaufgaben, der Referats-Vorbereitung, des Vokabel-lernens, oder auch des Aufräumens, die Post erledigen … Die erste Maßnahme um der Sache Herr zu werden, ist dann meistens „einen Plan machen“, indem man die Aufgaben priorisiert und sich bestimmte Zeitpunkte zur Erledigung setzt. Das ist super und hervorragend richtig! Es gibt trotzdem kleine und große Menschen, die obwohl sie ihre Aufgabe machen wollen, erst noch etwas trinken müssen, oder aufs WC, oder noch einmal das Lied auf dem Klavier üben, oder oder oder. Und bei genau diesen „Schiebern“ ist ein Ritual eine Möglichkeit ins Tun zu kommen. Dazu überlegen wir im Coaching gemeinsam, wie der kleine oder große Mensch in seinen Wohlfühlmodus mit genau der notwendigen inneren Spannung zur Erledigung der Aufgabe kommt. Wir installieren also ein persönliches Ritual, das dann über einen bestimmten Zeitraum eingeübt wird. Denn ein Ritual entsteht ja durch Wiederholung.

Und wenn etwas dazwischen kommt?

Fällt das gewohnte Ritual einmal aus, oder wird unterbrochen, gerät der Ablauf durcheinander! Jeder der mal kleine Kinder ins Bett gebracht hat, weiß wovon ich spreche! Nach dem Abendessen, waschen, Zähne putzen, Schlafanzug an und dann das Sandmännchen schauen. Dann mit Papa rangeln bis man ins Bett getragen wird und sich gemütlich in Mamas Arm kuscheln. Dann liest Mama eine Geschichte vor, betet und stopft die Zudecke fest ums Kind. Schritt für Schritt stellt sich das Kind auf das Einschlafen ein, wenn nicht irgendetwas dazwischen funkt!

So, wie Rituale uns helfen in einen bestimmten Zustand zu kommen, können sie aber auch hinderlich sein, wenn mal etwas nicht den gewohnten Gang gehen kann. Wichtig ist, wie wir dann reagieren und mit der ungewohnten Situation umgehen. Auch den Umgang mit Störungen kann man im Coaching lernen!

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Nachdem wir nun die weihnachtlichen Rituale genossen haben, steht in wenigen Tagen der Jahrewechsel an. Auch dazu gibt es unzählige Rituale. Ein offensichtlich sehr wichtiges Ritual ist es, sich gute Vorsätze für das nächste Jahr zu überlegen! Überlegen Sie sich doch gleich noch ein passendes Ritual für Ihr Vorhaben und probieren es aus!

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und gutes Gelingen für das kommende Jahr!

Lern-CoachingKerstin Link

„EinGEFAHRen“ – Das Gehirn im Autopiloten-Modus!

Wenn einGEFAHRene Denk- und Verhaltensweisen uns das Leben schwer machen!

Es gibt Dinge in meinem Leben, die habe ich schon so oft getan, dass ich gar nicht mehr bewusst wahrnehme, was ich da tue. Brauche ich auch nicht! Ich bin sogar sehr dankbar dafür, auf „Autopilot“ schalten zu können. Beim Staubsaugen, Klo putzen oder Wäsche aufhängen kann sich mein Gehirn mit interessanteren Dingen beschäftigen. IMG_20161005_151601~2

Auch der Einkauf im Supermarkt verläuft bei mir so.

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Doch neulich komme ich in meinem Autopilot-Modus in den Supermarkt und stehe plötzlich vor einem Regal, das noch nie an dieser Stelle stand. Wäre ich dagegen gerannt, hätte ich mich wahrscheinlich genau so gefühlt! Ein neues Regal wäre ja nicht der Rede wert, aber der gesamte Laden war umgeräumt! Okay, jetzt hatten sie meine Aufmerksamkeit – der Einkauf dauerte fast doppelt so lange und ich habe mit völlig fremden Menschen gesprochen. Anfangs noch etwas gestresst, wurde es zunehmend lustiger. So als ob Erwachsene Ostereier suchen!

Ein Freund, der seine rechte Hand verletzt hatte, hat mir letztens berichtet wie schwer ihm das Zähneputzen mit der linken Hand gefallen war. Zähne putzen ist ja auch so eine Autopilot-Geschichte, zumindest als Erwachsener. Jedoch ist es auch ein schönes Beispiel dafür, wie es ist etwas einmal anders zu machen. Am Anfang fällt uns die ungewohnte Bewegung schwer, unsere Muskulatur ist auf diese Bewegung noch nicht trainiert. Durch ständiges Wiederholen trainieren wir nicht nur unsere Muskulatur, sondern auch der entsprechende Bereich im Gehirn wird ausgebaut! Genau dies passiert zum Beispiel auch, wenn wir ein neues Musikinstrument lernen. Bei den ersten Griffen auf der Flöte, oder der Gitarre kommen einem die Finger ganz plump und ungelenk vor, doch nach einiger Zeit des Übens bewegen sie sich leicht und geschmeidig.

Ist doch ganz prima, wo soll denn da die GEFAHR sein?

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Es ist natürlich hervorragend, dass unser Gehirn so arbeitet – es ist einfach effizient! Die Gehirnbereiche, die wir benutzen werden komplexer und dichter verschaltet, teilweise sogar größer, aber diejenigen, die wir nicht gebrauchen, oder nur selten benutzen, bleiben wie sie sind, oder verkümmern allmählich. (siehe hierzu G. Hüther) Und darin besteht meines Erachtens die Gefahr. Es wird immer schwieriger, eingefahrene Wege zu verlassen. Was in manchen Bereichen hilfreich ist (Musikinstrument usw.), kann in anderen Bereichen große Probleme bereiten. Wenn ich zum Beispiel ein Verhalten ändern möchte! Nehme ich mir vor, bei Stress nicht mehr an den Fingernägeln zu knabbern, wird es schwierig, den eingefahrenen Weg zu verlassen. Aber nicht unmöglich, denn inzwischen ist ja bekannt, das Neurogenese bis ins hohe Alter möglich ist! Und dank meiner Ausbildungen kann ich mir und im Coaching auch anderen Menschen helfen, neue Wege zu gehen!

Wie ein uraltes chinesisches Sprichwort sagt: „Nicht dort, wo du es schon zur Meisterschaft gebracht hast, sollst du dich weiter erproben, sondern dort, wo es dir an solcher Meisterschaft mangelt.“

Lern-CoachingKerstin Link