Zitat des Tages

Misstrauen

„Wir wissen, dass es zu dem Verwerflichsten gehört, Misstrauen zu säen und zu begünstigen, dass vielmehr Vertrauen, wo es nur möglich ist, gestärkt und gefördert werden soll.“

von Dietrich Bonhoeffer

Als ich dieses  „Zitat des Tages“ heute Morgen gelesen hatte, dachte ich sofort an ein Buch von Jesper Juul „Dein kompetentes Kind“!

Vom Vertrauen und Misstrauen in der Eltern-Kind-Beziehung

Gerade im Umgang mit unseren Kindern kommt Misstrauen häufig vor. Als Eltern, oder Lehrer wissen wir doch was läuft! In welchen Zustand versetzt uns das Misstrauen – uns selbst und unser Gegenüber?  In Angreifer und …?

Wenn ich mir erwachsene Menschen ansehe, denen Misstrauen entgegen gebracht wird, stelle ich fest, dass sie genau so reagieren, als ob sie angegriffen würden. Sie reagieren wütend oder beleidigt, greifen lautstark an oder ziehen sich vorwurfsvoll zurück. Auch einige Kinder und besonders Jugendliche reagieren so, aber oftmals sind Kinder auch einfach erschrocken, verängstigt und hilflos. Sie verstehen gar nicht, wieso ihnen nicht geglaubt wird.

Natürlich ist es sehr unangenehm, das Gefühl zu haben, dass etwas nicht stimmen kann – belogen oder betrogen worden zu sein. Wir haben aber als Erwachsene trotzdem immer die Wahl, in welchem Zustand wir sein wollen und wie wir uns dem Anderen gegenüber verhalten.  Wollen wir uns über den Anderen erheben und Angreifer sein? Oder soll ich mich, um des Friedens willen, klein machen und alles so hinnehmen? – dann lasse ich ja den Anderen gewinnen! Wenn ich mir nun überlege, wie es sich anfühlt derjenige zu sein, dem misstraut wird, dann ist es wohl entweder Scham, Entsetzen oder Verzweiflung, was mich erfüllt. Also dann, wenn die akute Angriffssituation vorüber ist, oder auch, wenn ich das Misstrauen einfach nur gespürt habe.

Wie ein Gewinner fühlt man sich auf beiden Seiten wohl nicht. Was würde ich mir wünschen, um aus dieser Situation herauszukommen? Am ehesten wohl jemanden, den es interessiert was ich denke und der mich gleichwertig behandelt. Jemand der versucht mich zu verstehen. Nun ich glaube, dass es Kindern und Jugendlichen ebenso geht. Das ich jemandem misstraue, liegt ja an meinen eigenen Erfahrungen und Erlebnissen, die ich so gemacht habe. Was ich selbst erlebt oder getan habe, das traue ich auch anderen zu. Kinder haben diesen Reichtum an Erfahrung noch gar nicht und können bis zu einem gewissen Alter auch noch gar nicht so strategisch denken. Das lernen sie erst durch die Erwachsenen um sich her!

Dietrich Bonhoeffer schreibt sogar davon „Misstrauen zu säen und zu begünstigen“ – ja, das gibt gleich einen innerlichen Aufschrei – wie gemein ist das denn? Das klingt nach „Jemanden fertig machen“ oder nach „Mobbing“ – das geht natürlich gar nicht. Die meisten Eltern würden sich bei diesem Thema sehr für ihr Kind einsetzen und harte Konsequenzen für die Peiniger verlangen.  Und wie reden wir daheim? „Dein Sohn behauptet ja, er hätte dein Fahrrad nicht benutzt.“ „Hast du wieder meinen Joghurt gegessen?“ oder bei der Arbeit: „Seit die Neue da ist, ist ständig der Kaffee leer.“ Auch hier liegt die Lösung meiner Meinung nach wieder in uns selbst. In welchem Zustand bin ich? Wen mache ich dafür verantwortlich? Was ist meine eigentliche Absicht? Wie kann ich so kommunizieren, dass ich meine Absicht erziele und dabei niemanden verletze, oder einschränke? Sich selbst diese Fragen zu stellen ist sicher ein guter Anfang.  Wenn ich dann auch noch dem Anderen offen auf Augenhöhe begegne – auch den Kindern – bin ich auf einem guten Weg!

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